"Die Jugend" (Zeichnung von Arpad Schmidhammer, 1857-1921, für die Münchner Zeitschrift "Die Jugend")
"Die Jugend" (Zeichnung von Arpad Schmidhammer, 1857-1921, für die Münchner Zeitschrift "Die Jugend")

Ver-rückter Stein von Goldegg 3

"Wir Deutsche bleiben in der Pflicht, allen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ein würdiges Gedenken zu bewahren."

Bundestagspräsident Norbert Lammert am 18. September in einer Email seines Mitarbeiters Franz-Henning Ritschel

 

Am 18. September 2014 bekomme ich diese Email vom Bundestagspräsidenten:

 

Am 6. August 2014 hatte ich dem Bundestagspräsidenten diese Email geschickt:
 
Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,
sehr geehrte Damen und Herren,
 
vielen Dank für Ihre freundliche Antwort vom Dezember letzten Jahres.
 
Aus den Medien habe ich erfahren, dass Sie am Samstag in Wien sein werden, um an der Trauerfeier für Frau Prammer teilzunehmen.
 
Ich weiß, dass der Bundestag und Sie als Präsident nicht davor zurückscheuen, an unsere schwierige Geschichte zu erinnern. Dadurch wirken Sie für ein besseres Deutschland.
 
An diesem Freitag um 16 Uhr wird Frau Brigitte Höfert, Tochter des im KZ Mauthausen am 28. Oktober 1944 hingerichteten Karl Rupitsch, in Goldegg im Land Salzburg einen Gedenkstein für die Opfer des so genannten "SS-Sturms" vom  2. Juli 1944 setzen: An diesem Tag durchkämmten 1000 SS-Soldaten und 60 Gestapobeamte den Landstrich, um eine kleine Gruppe von Wehrmachtsdeserteuren aufzuspüren. Sechs Goldegger waren nämlich entweder nicht dem Stellungsbefehl gefolgt oder gingen vom Heimaturlaub nicht zurück an die Front. Ein Deserteur (Peter Ottino) und zwei Helfer (Alois und Simon Hochleitner) wurden bei dieser "Aktion" in Goldegg-Weng erschossen. Mit Rupitsch wurden ein weiterer Deserteur (August Egger) und zwei Helfer (Alois Buder und Kaspar Wind) hingerichtet, ein anderer, Georg Kössner, wurde noch am 8. März 1945 in Glanegg erschossen, und der Deserteur Richard Pfeiffenberger fiel in einer Strafkompanie.  Ein Helfer und drei Helferinnen verstarben in Konzentrationslagern. Elf Frauen und acht Männer, die in dieser Sache verhaftet wurden, überlebten das KZ.  Als einzigem Deserteur gelang Franz Unterkirchner die Flucht.  
 
 
Margarete Schütte-Lihotzky bemerkte rückblickend: "Wer wusste damals in Österreich und wer weiß heute, dass sich in den Salzburger Bergen ein ganzes Dorf gegen den Krieg erhob und dafür das Leben einsetzte?"
 
Man könnte geneigt sein, die SS-"Aktion" in Goldegg und auch das Gedenken daran allein als österreichische Angelegenheit zu betrachten. Das wäre aber nicht richtig.
 
Die Desertion richtete sich ja gerade gegen die deutsche Wehrmacht, gegen das Deutsche Reich, gegen den von Deutschland begonnenen Krieg und gegen die deutsche Diktatur. SS und Gestapo waren verbrecherische "Institutionen" dieses Reiches. Der dokumentarisch belegte Befehl zum "SS-Sturm" kam aus dem Reichssicherheitshauptamt in Berlin. Die Deserteure Rupitsch und Egger sowie die Helfer Buder und Wind wurden auf Anordnung von Himmler hingerichtet. Von den 14 Verstorbenen sind vier Menschen in Deutschland gestorben, und zwar im KZ Ravensbrück, im KZ Dachau und im KZ Bergen-Belsen. Die, die das KZ überlebten, waren in Ravensbrück, Dachau, Oranienburg, Sachsenhausen, Buchenwald und Flossenbürg inhaftiert.
 
Am Beispiel des SS-Standartenführers und Nazi- und Nachkriegs-Oberbürgermeisters von Wiesbaden Erich Mix ist deutlich geworden, wie schwer sich deutsche Gemeinden immer noch mit der Aufarbeitung ihrer Nazi-Geschichte tun. Österreichischen Gemeinden, so mein Eindruck, geht es ähnlich: Frau Höfert wollte eigentlich den Stein am 70. Jahrestag, dem 2. Juli 2014, im Hof des Goldegger Schlosses setzen, doch dazu kam es nicht. Der Presse sagte sie vor kurzem, sie sei "mit ihren Nerven und ihrer Kraft am Ende".
 
(...)
 
Sehr verehrter Herr Bundestagspräsident, Gedenken ist immer eine Aufgabe aller. Und Deutschland trägt Verantwortung auch für diese Salzburger. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie in Ihren Gesprächen mit Ihren österreichischen Kolleginnen und Kollegen hier in Wien dieses Thema ansprechen könnten.
 
(...)
 
 
Freundliche Grüße
 
Soonim Shin

Marie Josenhans Institut

(Marie Josenhans, 1855-1926, deutsche Sozialarbeiterin und Sozialpolitikerin)

 

Projekte für die Öffentlichkeit. 

 

 

 

 

Soonim SHIN

 

Magistra Artium (M. A.)

 

Staatlich anerkannte

Diplom-Sozialarbeiterin (FH)

 

 

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D-55118 Mainz 

 

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Soonim Shin