"Die Jugend" (Zeichnung von Arpad Schmidhammer, 1857-1921, für die Münchner Zeitschrift "Die Jugend")
"Die Jugend" (Zeichnung von Arpad Schmidhammer, 1857-1921, für die Münchner Zeitschrift "Die Jugend")

Nele Pasch in ihrem Artikel zu den Freimaurern am 24. Juni 2017 auf tagesschau.de:

"Daher rührt der sich hartnäckig haltende Verdacht, die Freimaurer lenkten die Gesellschaft im Verborgenen."

Am 24. Juni erschien der folgende "Faktenfinder"-Artikel von SWR-Mitarbeiterin Nele Pasch über "300 Jahre Freimaurer" auf dem Internetportal der Tagesschau.

 

http://faktenfinder.tagesschau.de/inland/freimaurer-101.html

 

Dieser Artikel sei hier zunächst dokumentiert: 

 

300 Jahre Freimaurer

Ein sagenumwobener Geheimbund

 

Stand: 24.06.2017 19:47 Uhr

 

Die Freimaurer sind bis heute der wohl größte Geheimbund der Welt. Sie wahren Stillschweigen über ihre Rituale, treffen sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Jetzt sollen sie 300 Jahre alt werden - doch selbst darüber herrscht Uneinigkeit.

 

Von Nele Pasch, SWR


Verschwiegenheit, mysteriöse Rituale, geheime Zeichen: Der Reiz des Geheimnisvollen umgibt die Freimaurer und seit jeher sind sie ein beliebtes Futter für Verschwörungstheoretiker. So glauben manche, der Geheimbund leite heimlich die Weltgeschicke.


Die Namensliste berühmter Freimaurer jedenfalls ist, nach allem, was man weiß, lang und prominent besetzt: Wolfgang Amadeus Mozart war einer von ihnen, Johann Wolfgang von Goethe, George Washington, Friedrich der Große, Charlie Chaplin und auch Axel Springer.


Bund ging aus Steinmetzbruderschaft hervor


Einig sind sich die Forscher, dass der Bund aus der Steinmetzbruderschaft hervorging. Darin organisierten sich vor allem Baumeister, die für den Bau der großen Kathedralen verantwortlich waren und sich "free masons" nannten. Daher rühren die im Logo der Freimaurer bekannten Symbole Winkelmaß und Zirkel.


"Die Baumeister waren Menschen, die rechnen konnten, sich mit Geometrie auskannten - also ein lukratives Fachwissen besaßen und damit zur intellektuellen Elite gehörten. Da dieses Wissen also wertvoll war, verpflichteten sich die Mitglieder zur Verschwiegenheit", sagt Philip Militz, seit 2003 Freimaurer in Schwelm. Außerdem waren Baumeister meist Wandernde, die je nach Auftragslage von Stadt zu Stadt zogen. Um sich gegenseitig zu erkennen und gleichzeitig zu verhindern, dass sich niemand Fremdes in ihren Zirkel einschlich, erfanden sie geheime Erkennungszeichen. Also Geheimhaltung, um Exklusivität zu wahren.


Winkelmaß und Zirkel sind die im Logo der Freimaurer bekannten Symbole


Als im 17. Jahrhundert immer weniger Kathedralen neu gebaut wurden, öffneten die Bauherren ihren Bund für andere Bürger. Die Mitglieder sollten aber weiterhin Freigeister sein, offen für die Ideen der Aufklärung. Schließlich waren die Logentreffen ein geschützter, freier Raum, wo ständeübergreifend neue Ideen diskutiert werden konnten. Fernab von Monarchie und Klerus. So blieb man der Diskretion verpflichtet, was über all die Jahre natürlich "Raum für Spekulationen und Legenden geboten hat", so Militz.


Streit um das Gründungsdatum


Am 24. Juni 1717, also vor 300 Jahren, sollen sich in London die vier bestehende Logen, so nennen die Freimaurer ihre Vereinigung, zur ersten Großloge der Welt zusammengeschlossen haben. "So steht es in James Andersons zweiter Edition des Konstitutionsbuches aus dem Jahre 1738", sagt Professor Jan Snoek von der Universität Heidelberg. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Freimaurerei und sagt aber auch, dieses Datum sei falsch. Vergangenes Jahr sei bekannt geworden, dass die Gründung erst vier Jahre später erfolgt sei, nämlich 1721. Das gehe aus zwei voneinander unabhängigen Quellen hervor. Die eine sei ein Tagebuch eines Augenzeuges; die andere ein Protokoll-Entwurf einer der vier Gründungslogen. Beide Quellen berichteten von der Gründung im Jahr 1721. "Wenn das, wie James Anderson in seinem Buch behauptete, schon vier Jahre eher geschehen war, wäre es absoluter Blödsinn gewesen, es noch einmal zu wiederholen. In aller Redlichkeit ist also anzunehmen, dass die Gründung der modernen Freimaurerei nicht vor 300 Jahren stattfand", sagt Snoek.


Versuch der politischen Einflussnahme


Was der Grund für die Nennung des falschen Datums sei? "Wahrscheinlich ging es auch damals um Geld und politische Interessen", so Snoek. Denn die Annahme, die Freimaurer seien politisch immer unabhängig gewesen, sei ein Märchen. "Schon der Großmeister der Großloge von England wollte 1813 seinen Einfluss zur Stabilisierung des Empires benutzen", sagt der Professor.


Auch Professor Hartmut Zinser von der Freien Universität Berlin spricht von dem Versuch politischer Einflussnahme manch einer Loge. So zum Beispiel durch die Ende des 19. Jahrhunderts gegründete italienische Loge "Propaganda Due", kurz P2: In den 1970er-Jahren stellte sich heraus, dass die Loge zur Tarnung einer politischen Geheimorganisation zweckentfremdet wurde. In ihr versammelten sich Führungspersönlichkeiten der Polizei, des Militärs, der Wirtschaft, der Politik, der Mafia und der Geheimdienste. Es bestand der Verdacht, dass der Geheimbund Pläne für einen Staatsstreich geschmiedet hatte. Die Loge wurde Anfang der 1980er-Jahre verboten. Vorfälle wie dieser schadeten dem Image der Freimaurer erheblich.


"Antreiber der Aufklärung"

 

Unstrittig aber sei, dass die Freimaurer als Zusammenbund schon immer eine Toleranz gelebt hätten, die für ihre Zeit unüblich war. "Damit waren sie Antreiber der Aufklärung", sagt Zinser. Es war und ist noch heute unwichtig, ob oder welcher Religion die Mitglieder angehören.


Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind neben Toleranz und Humanität die noch heute in der Satzung festgehaltenen Ideale der Freimaurer. Freies, kritisches Denken soll geschult und der Glaube an Gott nicht zwingend als höchstes Ideal angestrebt werden. Der katholischen Kirche waren die Freimaurer seit jeher ein Dorn im Auge. Bis 1983 wurden sie exkommuniziert. Im selben Jahr noch veröffentlichte der damalige Präfekt und spätere Papst Benedikt der XVI., Joseph Kardinal Ratzinger, eine Erklärung, in der er die Mitgliedschaft von Katholiken in einem Freimaurer-Bund als schwere Sünde bezeichnete. Ihre Prinzipien seien immer schon unvereinbar mit den Lehren der Kirche gewesen, heißt es in dem Papier.


Freimaurerei in Deutschland


In Deutschland gibt es schätzungsweise 15.000 Freimaurer. Das ist vergleichsweise wenig, tatsächlich gab es hierzulande mal 100.000 von ihnen. Doch ging die Mitgliederzahl während der Herrschaft der Nationalsozialisten rapide zurück, da die Nazis die Freimaurerei verboten und ihre Mitglieder verfolgten.
Die meisten Freimaurer treffen sich in Männerlogen, Frauen blieb der Zutritt lange Zeit verwehrt. Die erste Frauenloge hierzulande wurde erst in der Nachkriegszeit in Berlin gegründet. Von Geheimniskrämerei ist nur noch wenig geblieben: Alle Freimaurerlogen sind eingetragene Vereine und somit verpflichtet, Satzung, Aufbau und die Besetzung ihrer Ämter offenzulegen. Jedes Mitglied zahlt einen jährlichen Vereinsbeitrag, der schätzungsweise zwischen 200 und 500 Euro liegt.


Es heißt, die Mitglieder arbeiten an der geistig-ethischen Vervollkommnung des Menschen, sind also primär am gedanklichen Austausch miteinander interessiert. Wer Mitglied der Freimaurer werden will, muss selbst aktiv werden. Sie missionieren nicht. Ein Jahr lang müssen Logentreffen besucht werden und danach ein Mitgliedervotum überstanden werden. Meist reicht nur eine Gegenstimme und die Aufnahme wird abgelehnt.

 

Sonderbare Rituale


Wird aber für die Aufnahme einer Person in die Loge gestimmt, wird diese mit einem feierlichen Aufnahmeritual gefeiert. Das Ganze findet in einem dunklen Zimmer bei Kerzenschein statt, es gibt Totenköpfe - alles historisch gewachsene Symbole für Leben und Tod, erklärt Professor Snoek. Doch über den genauen Ablauf reden möchte kaum einer. Die meisten Freimaurer verweisen auf ihr Bekenntnis zur Verschwiegenheit. Und doch öffnet sich der Bund allmählich, vermehrt laden die Logen zu Rundgängen und Besuchertreffen ein.


Zahlreiche Verschwörungstheorien

So wenig man offiziell über die Rituale weiß, so zahlreich sind die Verschwörungstheorien darum. Denn wer im Verborgenen ungewöhnliche Dinge tue, dem könne man alles zuschreiben, was man will, so Snoek. Hinzu kommt, dass tatsächlich viele Mitglieder der Freimaurer keine Unbekannten waren und noch immer viele von ihnen aus der gesellschaftlichen Elite stammen. Daher rührt der sich hartnäckig haltende Verdacht, die Freimaurer lenkten die Gesellschaft im Verborgenen.

 

 

Das Marie-Josenhans-Institut in seiner Programmbeschwerde vom 26. Juni 2017:

"Frau Pasch sagt ja auch selber, dass die Mitglieder monatlich zwischen 20 und 40 Euro Beitrag zahlen - da ist es doch absurd, angesichts solch geringer Beträge von einem 'Verdacht' auf Weltherrschaft sprechen zu wollen."

 

Gegen diesen Artikel erhob das Marie.Josenhans-Institut am 26. Juni 2017 beim NDR Programmbeschwerde. Hier die Beschwerde im Wortlaut:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,


"Der NDR ist in seinem Programm zur Wahrheit verpflichtet", lautet § 8 des NDR-Staatsvertrags.


https://www.ndr.de/der_ndr/unternehmen/staatsvertrag100.pdf


Diese Pflicht des NDR, die Wahrheit zu berichten, ist auch einer der Programmgrundsätze des NDR. Diesen Grundsatz sehe ich durch den Bericht "300 Jahre Freimaurer. Ein sagenumwobener Geheimbund" von Frau Nele Pasch bei tagesschau.de verletzt.


http://faktenfinder.tagesschau.de/inland/freimaurer-101.html


Gerade von einem "faktenfinder"-Artikel erwarte ich zutreffende Aussagen. Daher erhebe ich Programmbeschwerde.


Aussage: Freimaurer sind der "wohl größte Geheimbund der Welt".

 

Mein Kommentar: Es gibt viele Geheimbünde auf der Welt, wobei oft - wie etwa bei Rotary - umstritten ist, ob eine Vereinigung ein Geheimbund ist oder nicht. Bei einem Geheimbund kann es keine verlässlichen Mitgliederzahlen geben. Daher kann man nicht sagen, welcher Geheimbund "der größte" ist.


Aussage: Charlie Chaplin war Freimaurer.


Mein Kommentar: Laut Wikipedia ist "stark umstritten", ob Chaplin Freimaurer war.
https://de.wikipedia.org/wiki/Charlie_Chaplin


Nach der Website muellerscience.com war Chaplin kein Freimaurer:
http://www.muellerscience.com/ESOTERIK/Freimaurer_Beruehmte/Keine_Freimaurer_sind.htm

 

Aussage: "Es bestand der Verdacht, dass der Geheimbund Pläne für einen Staatsstreich geschmiedet hatte. Die Loge wurde Anfang der 1980er Jahre verboten. Vorfälle wie dieser schadeten dem Image der Freimaurer erheblich."


Mein Kommentar: Es wird der Eindruck erweckt, als ob der Freimaurerbund als solcher ("der Geheimbund") womöglich Pläne für einen Staatsstreich in Italien schmiedete. Solche Pläne kamen aber nicht von "den Freimaurern", sondern von P2, einer Loge, die sich zwar als Freimaurerloge bezeichnete, sich aber so erheblich von anderen Freimaurerlogen unterschied, dass sie nicht als Freimaurerloge gelten kann. Zu den Unterschieden zwischen P2 und den eigentlichen Freimaurerlogen schrieb David A. Yallop in seinem Buch "Im Namen Gottes" (Knaur 1988): "Denn die Freimaurerloge, der Sindona angehörte, konnte ihre Ursprünge nicht bis zu den Steinmetzen Salomos zurückführen. Sie hatte auch nichts mit den Logen zu tun, die sich auf den italienischen Patrioten Garibaldi beriefen. Sie hatte keinen Herzog von Kent zum Großmeister. Sindonas Freimauerloge war die 'Propaganda 2' oder 'P 2', und ihr Großmeister war Licio Gelli." (S. 159) "Immer darauf bedacht, seinen Macht- und Einflußbereich auszuweiten, schien ihm (Gelli) die rehabilitierte Freimaurerbewegung ein hierfür geeignetes Instrument zu sein. Ironischerweise war es sein angebeteter Führer Mussolini gewesen, der die Freimaurerlogen verboten hatte." (S. 162) "Die Ideale und Ziele der echten Freimaurerei wurden sehr bald über Bord gekippt (...)." (S. 163) "Im Zuge solcher Waffengeschäfte ergab es sich, daß Barbie, der ungeläuterte SS-Mann, und Licio Gelli zu Partnern wurden - Barbie, der Mann, der zwischen Mai 1940 und April 1942 die Liquidierung aller registrierten Freimaurer in Amsterdam organisiert hatte (...)." (S. 165) "Der bizarrste Aspekt der engen und dauerhaften Kontakte, die zwichen der P2 und dem Vatikan bestanden, war die Tatsache, dass diverse Kardinäle, Bischöfe und Priester für diesen mißratenen Sprößling des orthodoxen Freimaurertums so viel Wohlwollen übrig hatten. Die katholische Krche hat Freimaurer jahrhundertelang als Jünger des Bösen betrachtet." (S. 168)


Yallop sagt also explizit, dass die P2 von Anfang an keine "echte Freimaurerei" war. Das hätte auch der Beitrag deutlich machen müssen. Zwar wird davon gesprochen, dass die Loge "zweckentfremdet" wurde - dies hört sich aber so an, als ob "echte" Freimaurer die Täter gewesen seien. Es ist auch sehr fraglich, ob P2 wirklich dem Image der Freimaurerei "erheblich schaden" konnte - war doch für alle Interessierten schon in den 80er Jahren leicht erkennbar (das Buch von Yallop erschien 1984), dass Nicht-Freimaurer "unter falscher Flagge" segelten. Vielmehr schadet der vorliegende Artikel dem Image der Freimaurer, und zwar zu Unrecht, da er P2 mit "den Freimaurern" identifiziert.

 

Aussage: "Sie (die Freimaurer) missionieren nicht."

 

Mein Kommentar: Indem das Wort "missionieren" benutzt wird, wird so getan, als sei die Freimaurerei eine Religion. Damit vertritt der Artikel eine durchaus fragwürdige Position, die Yallop (S. 168) so beschrieben hatte: "Die Kirche betrachtet die Freimaurerei als eine konkurrierende Religion - eine Religion der Gottlosen."

 

Aussage: "Hinzu kommt, dass tatsächlich viele Mitglieder der Freimaurer keine Unbekannten waren und noch immer viele von ihnen aus der gesellschaftlichen Elite stammen. Daher rührt der sich hartnäckig haltende Verdacht, die Freimaurer lenkten die Gesellschaft im Verborgenen."


Angesichts des tatsächlich ganz geringen Einflusses der Freimaurer heute auf die Gesellschaft kann von einem "hartnäckigen" Verdacht, "die Freimaurer lenkten die Gesellschaft im Verborgenen", seien also die Herrscher unserer Welt, gar keine Rede sein. Indem der Bericht aber diesen "Verdacht" zitiert und diesen auch noch begründen oder substantiieren will ("tatsächlich stammen noch immer viele von ihnen aus der gesellschaftlichen Elite"), verbreitet er selbst eine "Verschwörungstheorie", die mit der Realität nichts zu tun hat. Frau Pasch sagt ja auch selber, dass die Mitglieder monatlich zwischen 20 und 40 Euro Beitrag zahlen - da ist es doch absurd, angesichts solch geringer Beträge von einem "Verdacht" auf Weltherrschaft sprechen zu wollen.


Ich werfe dem Tagesschau-Artikel vor, die Freimaurer zu dämonisieren, indem er sie fälschlich als "wohl größter Geheimbund der Welt", aus bestimmten Gründen immer noch der geheimen Lenkung unserer Gesellschaft verdächtig, beschreibt. Solche Mythen darf ein Tagesschau-"Faktenfinder" nicht verbreiten.

 

Ich bitte um Antwort nur per Email.


Freundliche Grüße


Soonim Shin

Magistra Artium (M. A.)
www.mariejosenhans.net
Wien

 

SWR-Programmdirektor Dr. Christoph Hauser in seiner Entscheidung vom 29. August 2017:

"In Ihrer Beschwerde werfen Sie der Autorin (...) vor, die Freimaurer zu dämonisieren. Auch dem widerspreche ich."

 

Die Beschwerde des Marie-Josenhans-Instituts wurde am 29. August 2017 von SWR-Programmdirektor Dr. Christoph Hauser abgewiesen. Hier Herrn Dr. Hausers Antwort:

 

Sehr geehrte Frau Shin,

 

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 26. Juni 2017. Sie kritisieren darin einen Bericht der Autorin Nele Pasch. Frau Pasch ist Mitarbeiterin des SWR, Ihre Beschwerde fällt daher in meine Zuständigkeit.

 

SWR und NDR sowie alle anderen Anstalten der ARD sind ihrem Programm zur Wahrheit verpflichtet. Sie schreiben, dass Sie diesen Grundsatz durch den Bericht "300 Jahre Freimaurer - Ein sagenumwobener Geheimbund" verletzt sehen. Als Beleg dafür führen Sie Textpassagen aus dem Artikel an, die sich nach unserer erneuten Prüfung nicht als falsch identifizieren lassen.

 

So kritisieren Sie etwa folgende Text-Passage: „Es bestand der Verdacht, dass der Geheimbund Pläne für einen Staatsstreich geschmiedet hatte. Die Loge wurde Anfang der 1980er Jahre verboten. Vorfälle wie dieser schadeten dem Image der Freimaurer erheblich.“ Sie kritisieren, es werde der Eindruck erweckt, dass der Freimaurerbund womöglich Pläne für einen Staatsstreich in Italien schmiedete. Weiter schreiben Sie: „Solche Pläne kamen aber nicht von "den Freimaurern", sondern von P2, einer Loge, die sich zwar als Freimaurerloge bezeichnete, sich aber so erheblich von anderen Freimaurerlogen unterschied, dass sie nicht als Freimaurerloge gelten kann.“ Diese Kritik können wir nicht nachvollziehen. Denn die P2-Loge gehörte zur italienischen Großloge. Somit ist es nicht falsch, sie als Freimaurerloge zu bezeichnen. Auch, wenn sie zweckentfremdet wurde, was Frau Pasch auch so geschrieben hat: „In den 1970er-Jahren stellte sich heraus, dass die Loge zur Tarnung einer politischen Geheimorganisation zweckentfremdet wurde.“ Dass das dem Image der Freimaurerei geschadet hat, trotz des von Ihnen zitierten Buches, ist meines Erachtens nach nicht zu widerlegen.


Weiter stören Sie sich an Frau Paschs Aussage "Sie (die Freimaurer) missionieren nicht." Sie kritisieren, dass, indem das Wort "missionieren" benutzt wird, so getan werde, als sei die Freimaurerei eine Religion. Das ist meiner Ansicht nach keineswegs zutreffend. Frau Pasch schreibt deutlich, dass die Freimaurer nicht missionieren, also bekehren. Damit distanziert sie sich von der Aussage, dass die Freimaurerei eine Art Religion sei. Zumal Frau Pasch im Text deutlich macht, dass „die Freimaurer als Zusammenbund schon immer eine Toleranz gelebt hätten, die für ihre Zeit unüblich war.“ Weiter steht in dem Artikel geschrieben: „Es war und ist noch heute unwichtig, ob oder welcher Religion die Mitglieder angehören.“ Und: „Die Mitglieder sollten [...] Freigeister sein, offen für die Ideen der Aufklärung. Schließlich waren die Logentreffen ein geschützter, freier Raum, wo ständeübergreifend neue Ideen diskutiert werden konnten. Fernab von Monarchie und Klerus.“ Klerus bedeutet die Gesamtheit der Geistlichkeit. Weshalb Frau Pasch nicht unerwähnt lässt, dass die Freimaurer der katholischen Kirche ein Dorn im Auge sind.

 

Sie kritisieren außerdem die Aussage „Freimaurer sind der wohl größte Geheimbund der Welt“. Diese Einordnung ist Frau Pasch im Rahmen ihrer Recherchen gleich mehrfach begegnet und wurde in den ihr zur Verfügung stehenden Quellen nirgends widerlegt. Hier einige Bespiele:

 

http://www.sueddeutsche.de/wissen/serie-geheimbuende-teil-iii-die-freimaurer-1.282439
http://www.arte.tv/sites/de/das-arte-magazin/2013/12/20/der-geheime-zirkel/
https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/geheimbuende-die-erben-der-templer-freimaurer-templer-100.html

 

Diese wie auch die von Ihnen zitierte Quelle Wikipedia sprechen davon, dass es zwischen drei und fünf Millionen Freimaurer weltweit gibt. Da es aber keine sicheren Quellen über Mitgliederzahlen gibt, wurde diese Aussage von der Autorin bewusst mit dem Wort „wohl“ versehen. Sie hat diese Aussage also relativiert und nicht als Fakt dargestellt.

 

Bezüglich Charlie Chaplin schreibt Frau Pasch nicht "Charlie Chaplin war Freimaurer", sondern: "Die Namensliste berühmter Freimaurer jedenfalls ist, nach allem, was man weiß, lang und prominent besetzt: Wolfgang Amadeus Mozart war einer von ihnen, Johann Wolfgang von Goethe, George Washington, Friedrich der Große, Charlie Chaplin und auch Axel Springer." Heißt: Chaplin war, nach allem, was man weiß, Freimauer. Schon der Einschub "nach allem, was man weiß" ist eine Relativierung. Allerdings gehen sowohl die Freimaurer in Hamburg (https://freimaurer.hamburg/) sowie das Internationale Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner gehen davon aus, dass Chaplin einer von ihnen war.

 

In Ihrer Beschwerde werfen Sie der Autorin abschließend vor, die Freimaurer zu dämonisieren. Auch dem widerspreche ich. Denn tatsächlich steht in dem Artikel lediglich, dass sich der Verdacht, die Freimauerei lenke die Gesellschaft im Verborgenen, hartnäckig halte: „Denn wer im Verborgenen ungewöhnliche Dinge tue, dem könne man alles zuschreiben, was man will, so Snoek“.
Statt einer „Dämonisierung“, macht die Autorin vielmehr deutlich, dass die Freimaurer in weiten Teilen eine moderne und offene Gesellschaft anstreben. Sie schreibt: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind neben Toleranz und Humanität die noch heute in der Satzung festgehaltenen Ideale der Freimaurer. Freies, kritisches Denken soll geschult und der Glaube an Gott nicht zwingend als höchstes Ideal angestrebt werden." Darüber hinaus steht in dem Text, dass sich der Bund allmählich öffne und Logen vermehrt zu Rundgängen und Besuchertreffen einladen.

 

Sehr geehrte Frau Shin, ich vermag in dem Artikel „300 Jahre Freimaurer - Ein sagenumwobener Geheimbund“, veröffentlicht am 24.06.2017 auf Tagesschau.de, weder einen Verstoß gegen Sachlichkeit und Objektivität, noch die Verbreitung von Unwahrheiten zu vernehmen.

 

Abschließend darf ich darauf hinweisen, dass Sie gemäß § 20 Abs. 3 der SWR-Hauptsatzung den zuständigen Ausschuss anrufen und die Beratung der Beschwerde verlangen können. Der zuständige Ausschuss im vorliegenden Fall ist der Fernsehausschuss des Rundfunkrates.

 

Mit freundlichen Grüßen


Dr. Christoph Hauser
Programmdirektor
Information, Sport, Film, Service und Unterhaltung


SWR
Südwestrundfunk
Hans-Bredow-Straße
76530 Baden-Baden

 

 

 

 

 

 

 

Marie Josenhans Institut

(Marie Josenhans, 1855-1926, deutsche Sozialarbeiterin und Sozialpolitikerin)

 

Projekte für die Öffentlichkeit. 

 

 

 

 

Soonim SHIN

 

Magistra Artium (M. A.)

 

Staatlich anerkannte

Diplom-Sozialarbeiterin (FH)

 

 

Kaiser-Karl-Ring 6

D-55118 Mainz 

 

Robertgasse 1

A-1020 Wien

 

 

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Soonim Shin