"Die Jugend" (Zeichnung von Arpad Schmidhammer, 1857-1921, für die Münchner Zeitschrift "Die Jugend")
"Die Jugend" (Zeichnung von Arpad Schmidhammer, 1857-1921, für die Münchner Zeitschrift "Die Jugend")

Rabbi Lior Bar-Ami in seinem Artikel bei shma.com am 3. April 2013:

"Understanding the gulf between languages, the ability to pass over that gulf, the capacity to observe with different parts of my brain and self, to move from the outside to the inside and back, are additional tools for my professional Jewish leader toolkit." 

("Die Kluft zwischen Sprachen zu verstehen; die Fähigkeit, diese Kluft zu überwinden; das Vermögen, mit verschiedenen Teilen meines Gehirns und meines Selbst wahrzunehmen; mich von außen nach innen und wieder zurück zu bewegen - das sind zusätzliche Werkzeuge meines professionellen Werkzeugkastens als jüdischer Führer.")  

Ein Rabbi "made in Germany": Wie aus dem Bünder Jugendlichen Peter Blase der Rabbi und "jüdische Führer" Lior Bar-Ami wurde

Rabbi Lior Bar-Ami am 26. März 2017, dem Tag seiner Amtseinführung, in der Synagoge von Or Chadasch in Wien

geschrieben am 12. Januar 2017

 

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, sagte am 1. Dezember 2016, es sei "ein großer Fortschritt, dass deutsche Gemeinden zunehmend in der Lage sind, Rabbiner und Kantoren 'made in Germany' einzustellen." Lehrer sprach bei der Ordination von Lior Bar-Ami, also an dem Tag, als Lior Bar-Ami, ein Absolvent des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam, Rabbi wurde. Lior Bar-Ami ist also ein Rabbi "made in Germany", wie Lehrer sagt. Wie kommt ein im christlichen Glauben erzogener Jugendlicher aus Westfalen dazu, erst einen jüdischen Namen anzunehmen - und sich dann für den Beruf des Rabbi zu entscheiden ?

 

In einem Artikel für shma.com bezeichnete sich Lior Bar-Ami 2013 als "Jew by choice", also als ein "Jude aus eigener Wahl". Aufgewachsen sei er in einer anderen Religion als dem Judentum. Lior Bar-Ami war nämlich Christ, und früher hieß er Peter Blase.

 

1999 wurde am Gymnasium am Markt in Bünde eine Arbeitsgruppe, eine AG, gegründet: die Gruppe "Netzwerk", die sich mit dem Schicksal der Bünder Juden beschäftigte. Ein Mitglied dieser AG war Peter Blase. Der "Spiegel" nannte Bünde 1956 die "Metropole der deutschen Zigarrenindustrie"; jede fünfte damals in Westdeutschland hergestellte Zigarre kam aus Bünde. Laut Website jüdische-gemeinden.de lebten in Bünde 1932 noch 72 Juden - und unter den Zigarrenfabrikanten des Ortes waren auch vier jüdische Familien. Die 1815 erbaute Synagoge wurde aber am 10. November 1938 zerstört, und noch am gleichen Tag wurden die jüdischen Bürger Bündes verhaftet. Die Website jüdische-gemeinden.de schreibt: "Nur drei jüdische Einwohner kehrten nach Kriegsende nach Bünde zurück. Bis heute ist das Schicksal der Bünder Juden nicht völlig geklärt; zahlreiche Spuren verlieren sich in den Ghettos und Lagern Osteuropas."

 

Im Jahre 2000 lernte ein Bünder Bürger auf einem Kreuzfahrtschiff Alfred Spiegel kennen, der 1939 mit seiner Familie aus Bünde vertrieben worden war und dem dann die Ausreise in die USA gelang. In seiner Rede am 1. Juli 2002 im Gymnasium am Markt erinnerte sich Spiegel daran, dass ihn sein neuer Freund nach dem Ende der Reise "mit Briefen, Fotos von Bünde, Fotos vom Mahnmal für die Holocaustopfer und auch mit Telefonanrufen" "gelockt" habe, nach Bünde zu kommen." So sei Spiegel 2001 nach Bünde gereist - und wünschte sich eine Gedenktafel für die zerstörte Synagoge: Er, Spiegel, habe den "Traum" gehabt, "mit meiner geliebten Familie nach Bünde zurückzukehren, um an der Einweihung einer Gedenktafel für die Synagoge teilzunehmen." Dieser "Traum" hatte sich an dem Tag, als Spiegel seine Rede hielt, erfüllt: Alfred Spiegel, Sohn von Max und Ida Spiegel, weihte am 1. Juli 2002 im Beisein seiner Frau, seiner drei Töchter und seines Enkels die Tafel zum Gedenken an die Synagoge ein.

 

In seiner Rede 2002 dankte Alfred Spiegel auch der AG "Netzwerk". Schließlich hatte die Gruppe ja 6 Monate lang gearbeitet, um aus der Idee einer Gedenktafel Realität werden zu lassen: Sie mussten mit den Hausbesitzern sprechen, um die Erlaubnis zur Anbringung zu bekommen, sie mussten mit der Bürgermeisterin sprechen, um die Tafel zu finanzieren, sie mussten mit dem Landesrabbiner Dr. Henry Brandt sprechen, um einen Text zu finden, sie mussten die Tafel entwerfen - und sie mussten ein Programm für den Tag der Einweihung vorbereiten. Am 25. November 2003 überreichte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn im Jüdischen Museum Berlin denn auch der Gruppe "Netzwerk" - und damit auch Peter Blase - den 1. Preis im Wettbewerb "Erinnern für Gegenwart und Zukunft - Toleranz gewinnt".

 

In seiner Rede vom 2. Juli 2002 sagte Alfred Spiegel zu dem damals 16jährigen Peter Blase einen ganz besonderen Satz: "Und jetzt erkläre ich Peter Blase als Familienmitglied, da er unser Adoptivenkelkind ist, nicht durch Gerichtsbeschluss, aber in unseren Herzen."

 

War es diese "Adoption" durch Alfred Spiegel, Jude und NS-Opfer, die Peter Blase den Weg zum Judentum gehen ließ ? Nach seinem Abitur am Gymnasium am Markt 2005 wurde Peter Blase 2007 zunächst Mitglied des Freundeskreises der Jüdischen Gemeinde Hameln, wie der Gemeindebrief vom Juli und August 2007 berichtete ("Seit Teenageralter ist Peter Mitglied der Gruppe 'Netzwerk Bünde' (...).") Der Gemeindebrief vom Januar 2010 spricht dann nicht mehr von Peter Blase, sondern nur noch von Lior Bar-Ami.

 

In seinem Artikel bei shma.com bezeichnete sich Bar-Ami als "jüdischer Führer" ("Jewish leader"). Inwieweit hat Lior Bar-Ami es Alfred Spiegel zu verdanken, dass er heute Rabbi "made in Germany" und "jüdischer Führer" sein kann ?

Marie Josenhans Institut

(Marie Josenhans, 1855-1926, deutsche Sozialarbeiterin und Sozialpolitikerin)

 

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Soonim SHIN

 

Magistra Artium (M. A.)

 

Staatlich anerkannte

Diplom-Sozialarbeiterin (FH)

 

 

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